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Die kleine Nähschule: Vom Schnitt zum fertig zugeschnittenen Stoffteil – Teil 2

Gegengleich zuschneiden

Gestern haben wir bereits angefangen über Schnitte zu sprechen, wie man sie kopiert und wie man sie am besten vom Papier auf den Stoff überträgt. Heute machen wir genau dort weiter… Sobald alle benötigten Schnittteile aus Papier ausgeschnitten sind, werden sie auf dem Stoff verteilt. Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten…

Rechte Seite/linke Seite

Die Papierschnittteile werden auf die linke Seite des Stoffes gelegt. Die linke Seite ist die, die beim fertigen Kleidungsstück die Innenseite ist. Das lässt sich z. B. bei bedruckten Stoffen leicht erkennen (die bedruckte Seite soll natürlich außen sein, also ist das die rechte Stoffseite). Bei Cord sind die Rippen rechts, bei Jeans ist die rechte Seite dunkler, bei Satin glänzt die rechte Seite usw.

Bei einigen Stoffen ist es allerdings nicht so leicht zu erkennen, welches die rechte Seite sein soll. Wenn das so ist, sollte man sich davon nicht verunsichern lassen: einfach die „schönere“ Seite zur rechten Stoffseite erklären…

Die Schnittteile werden zum Zuschneiden auf der linken Stoffseite platziert, weil hier oft auch Markierungen vorgenommen werden, die eventuell Rückstände hinterlassen. Diese möchte man selbstverständlich nicht auf der Außenseite des fertigen Kleidungsstückes sehen.

Liegt der Stoff im Bruch, dann liegen also die rechten Stoffseiten aufeinander und die linken Seiten zeigen nach außen. Ist der Stoff in ganzer Breite ausgelegt, dann schaut die linke Seite nach oben und die rechte Seite schaut nach unten.

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Fadenlauf und Strich

Außerdem muss beim Zuschnitt der „Fadenlauf“ des Stoffes beachtet werden. Der Fadenlauf ist die Webrichtung des Stoffes (also der Längsverlauf des „Kettfadens“). Ist ein Stoff z. B. querelastisch, macht es wenig Sinn, wenn man das Schnittteil um 90° gedreht auf den Stoff legt, denn dann ist die Querelastizität dahin… Auch wenn ein Stoff gemustert ist, ist es nicht sehr vorteilhaft, wenn die Schnittteile schief auf dem Stoff liegen. Wer will schon unterschiedlich oder schief gestreifte Hosenbeine tragen?

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Die kleine Nähschule: Vom Schnitt zum fertig zugeschnittenen Stoffteil – Teil 1

Nähschule Schnittmuster übertragen

Diesmal beschäftigen wir uns in der kleinen Nähschule mit dem Thema, wie man am besten einen Papierschnitt auf den Stoff überträgt und in anschließend zuschneidet. Dabei gibt es einiges zu beachten…

Papierschnitt oder Ebook

Es gibt zwei verschiedene Arten von Schnitten: physisch auf Papier oder digital als Ebook. Die Papierschnitte sind in der Regel auf einem großen Bogen gedruckt und zusammengefaltet. Die digitalen Ebooks sind im PDF Format und müssen selbst ausgedruckt werden. Das geschieht wie folgt…

Zuerst muss die PDF-Datei mit dem Programm „Adobe Reader“ geöffnet werden. Die meisten haben dieses Programm auf ihrem Rechner. Ansonsten kann es kostenlos hier heruntergeladen werden: https://get.adobe.com/de/reader/. Nach dem Öffnen der Datei schauen, auf welcher Seite das Kontrollquadrat ist und erstmal nur diese Seite mit dem Kontrollquadrat ausdrucken. Mit dem Quadrat wird überprüft, ob der Drucker den Schnitt in der richtigen Größe ausdruckt. Dafür in den Druckeinstellungen drauf achten, dass „ohne Seitenanpassung“ bzw. „tatsächliche Größe“ ausgewählt ist. Es kann vorkommen, dass beim Ausdrucken darauf hingewiesen wird, dass die Seite für den Druckbereich zu groß ist. In dem Fall die Option „Beschneiden“ wählen (um die Originalgröße nicht zu verändern). Bitte nicht „Verkleinern“ wählen, denn dann wird der Ausdruck skaliert (Größe wird angepasst). Anschließend auf dem Ausdruck mit einem Lineal überprüfen, ob die angegebene Größe stimmt. Erst dann alle erforderlichen Schnittseiten ausdrucken.

Nun werden anhand der Übersichtsseite (bei den Hummelhonig-Schnitten ist dies der „Schnittmusterplan“) die einzelnen Schnittseiten aneinander gelegt. Hierbei helfen Markierungen. Unsere Hummelhonig-Schnitte haben auf jeder Seite eine Beschriftung was auf der Seite zu sehen ist sowie zusätzliche Passmarken. Diese Passmarken müssen exakt aneinander geklebt werden. Dafür schneidet man an nur einer Seite den Rand bis zu Markierung ab. Auf der anderen Seite bleibt der Rand neben der Markierung stehen. Somit ergibt sich ein Überhang, der als Klebestreifen dient. Also alle Seiten mit Passmarke auf Passmarke aneinander kleben. Wenn es etwas schneller gehen soll, dann kann man auch einen Überhangstreifen lediglich umklappen anstatt ihn abzuschneiden. Spart Zeit ist aber im Ergebnis nicht ganz so „schick“. So wird der Schnitt Seite für Seite aneinander geklebt.

Meistens handelt es sich um einen Mehrgrößenschnitt. Hier sind also mehrere Größen auf dem Schnittbogen. Nachdem die gewünschte Größe ausgewählt wurde können die Schnittteile direkt an den entsprechend markierten Linien abgeschnitten werden. Oder aber der Schnitt wird erst kopiert…

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Schnitt kopieren

Es gibt verschiedene Methoden, den Schnitt vom Schnittbogen auf den Stoff zu übertragen. Soll der Schnitt häufiger verwendet werden, empfiehlt es sich, ihn vorab zu kopieren. Außerdem sind die Papierschnitte oft recht unübersichtlich: Schnittteile die sich überschneiden und die vielen verschiedenen Größen können für Verwirrung sorgen – gerade bei Anfängern. Eine Kopie der benötigten Größe bringt also eine bessere Übersicht und der Original-Schnittbogen wird durch ständige Benutzung nicht unnötig strapaziert.

Für das Kopieren des Schnittes kann man z. B. Transparentpapier verwenden. Dies wird auf den Schnitt gelegt und dann wird Schnittteil für Schnittteil die gewünschte Größe abgepaust. Dabei ist es sehr wichtig, nicht in der Größenlinie zu verrutschen. Um dies zu vermeiden hilft es, das Transparentpapier mit Gewichten oder Klebestreifen auf dem Schnittbogen zu fixieren.

Das Transparentpapier besorgt man sich idealerweise auf großer Rolle anstatt als kleinen DIN A4 Block. So ist es einfacher in der Handhabung, weil es immer auf den Schnitt passt und nicht vorher noch zusammengeklebt werden muss. Für das Kopieren empfiehlt sich ein Bleistift um kleine Fehler schnell beheben zu können.

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Wer kein Transparentpapier benutzen möchte, kann natürlich auch normales Papier nehmen. Weil man hier nicht hindurch sehen kann (wie bei dem Transparentpapier) legt man das normale Papier unter den Schnitt (nicht auf den Schnitt). Nun mit Hilfe eines Kopierrädchens entlang der entsprechenden Schnittlinien radeln. So werden die benötigten Schnittlinien durchgedrückt und auf dem Papier sichtbar.

Wem das nicht sichtbar genug ist, der kann zusätzlich auch noch Kopierpapier dazwischen legen. Dieses ist im Nähfachhandel erhältlich. Die farbige Seite schaut nach unten und so werden die durchgeradelten Linien farbig.

Beim Abpausen ist es sehr wichtig, alle Details – wie Fadenläufe, Knipse usw. – ebenfalls zu übertragen. Außerdem sollte auf jedem Schnittteil der Name (Bezeichnung) und die Größe stehen.

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Auf diesem Bild sieht man das Kopierpapier, welches dann mit der farbigen Seite nach unten unter den Schnitt gelegt wird.

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So drücken sich dann die Linien farbig durch.

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Die kleine Nähschule: Nahtzugaben

Nahtzugabe übertragen

Kleine NähschuleIm ersten Teil der Hummelhonig-Nähschule habe wir das Ausgleichen von Nahtzugaben beschrieben (beim Aufeinandertreffen von sehr unterschiedlichen Ecken) – heute wollen wir etwas weiter ausholen und uns die Nahtzugaben im Allgemeinen genauer anschauen.

Was ist die Nahtzugabe?

Die Nahtzugabe ist der zusätzliche Stoff neben der Nahtlinie. Also der Bereich zwischen Nahtlinie und Schnittkante. Im Schnittmuster angegeben ist meist nur die Nahtlinie, aber es wir ja auch noch Material benötigt, auf dem genäht werden kann. Daher muss eine Nahtzugabe angezeichnet werden und dort wird dann geschnitten. Es gibt auch Schnittmuster, bei denen die Nahtzugabe bereits eingeschlossen ist (besonders bei englischen und amerikanischen Schnitten ist dies oft der Fall). Bei den Hummelhonig-Schnitten und vielen anderen Hobbynäherschnitten ist das aber nicht so. In jedem Fall muss darauf geachtet werden, ob das Schnittmuster, welches man nähen möchte, bereits Nahtzugaben enthält oder nicht.

Wie breit soll die Nahtzugabe sein?

Die Breite der Nahtzugabe ist Geschmackssache. Wir haben uns bei den Hummelhonig-Schnitten dazu entschlossen, keine Nahtzugaben hinzu zu gegeben. Somit kann jeder selbst entscheiden, wie es für ihn am besten ist. Die Nahtzugaben sollten nicht zu schmal sein (besonders bei Stoffen, die stark ausfransen) und genauso wenig sollten sie zu breit sein (besonders bei festen Stoffen und kurvigen Schnittteilen). Gut bewährt haben sich Nahtzugaben mit Breiten zwischen 0,7 cm und 1 cm. Anders ist es bei den Saumzugaben (also der zusätzliche Stoff, der am unteren Abschluss eines Kleidungsstückes umgeklappt wird): Hier sind die Zugaben breiter, je nach dem, ob der Saum einfach oder doppelt umgeschlagen wird oder je nach Optik, werden hier ca. 1,5 cm bis 4 cm hinzugegeben.

Immer das Gleiche…

Um sich das Nähen leicht zu machen sollten Nahtzugaben an allen Schnittteilen immer gleichmäßig hinzugegeben werden. So kann man die Schnittkante als Orientierung beim Nähen benutzen und muss nicht die Nahtlinie noch zusätzlich einzeichnen (was allerdings für Anfänger trotzdem hilfreich ist). Man lässt also beim Nähen einfach die Schnittkante an der entsprechenden Markierung (0,7 cm oder 1 cm) auf der Nähplatte entlang laufen. Wenn die Nähplatte nicht die benötigte Markierung hat, dann einfach sorgfältig abmessen und mit Klebeband selbst anbringen. Das Klebeband ist auch für Anfänger oft hilfreich, weil es länger und auffälliger ist als die oft unscheinbare Einkerbung auf der Nähplatte.

Klebeband

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Die kleine Nähschule: Ausgleich von Nahtzugaben

Nahtzugaben ausgleichen

Kleine Nähschule

Heute starten wir eine neue Serie – Hummelhonigs kleine Nähschule. An dieser Stelle wollen wir euch wertvolle Tipps rund ums Thema Nähen näher bringen, bestimmte Nähtechniken vorstellen und und und. Eben alles, was euch das Nähen erleichtert, damit es noch mehr Freude macht.

 

Das heutige Thema lautet: Ausgleich von Nahtzugaben.

Normalerweise werden Schnittmuster ohne Nahtzugaben gezeichnet. D.h. an alle Seiten des Schnittteils, die nachher mit anderen Schnitteilen zusammengenäht werden, muss eine Nahtzugabe dazugegeben werden. In der Regel beträgt die Nahtzugabe 1 cm. Wie der Name schon sagt, wird dieser zusätzliche Rand für die Naht und die Versäuberung des Stoffes benötigt. Für alle, die schon einmal etwas genäht haben, stellt dies sicherlich kein Geheimnis dar.

Eine Möglichkeit, den Schnitt vor dem Zuschnitt auf den Stoff zu übertragen, ist die Schnittteile auf dem Stoff nachzuzeichnen und zusätzlich eine Nahtzugabe drumherum zu zeichnen. Dies funktioniert, hat aber zwei Nachteile. Zum einen zeichnet es sich auf Stoff deutlich schlechter als auf Papier. Zum anderen muss man die Nahtzugabe immer wieder zeichnen, wenn man den Schnitt wiederverwendet.
Zeichnet man die Nahtzugabe auf dem Papier um das Schnitteil, bevor man das Schnittteil ausschneidet, ist die Nahtzugabe bei zukünftigen Projekten schon fertig gezeichnet und man erspart sich das mühevolle Zeichnen auf dem Stoff.

Nahtzugabe
Mit einem Rollschneider kann man dann direkt entlang des Schnittteils ausscheiden, ohne überhaupt auf dem Stoff zeichnen zu müssen. Und da die Nahtzugaben gleichmäßig breit angezeichnet wurden, treffen auch die Nahtlinien aufeinander, wenn die Stoffkanten aufeinander liegen. Man muss also weder die Nahtlinien auf den Stoff übertragen, noch bei jedem Stich überprüfen.

Diese zweite Methode mit den Nahtzugaben auf Papier wird auch beim Ausgleich von Nahtzugaben benötigt. Manchmal führen die Nahtzugaben nämlich dazu, dass die Schnittteile nicht mehr optimal aufeinanderpassen. Dies ist vor allem beim Aufeinandertreffen von sehr unterschiedlichen Ecken der Fall, z.B. spitzer Winkel trifft gestreckten Winkel. In diesem Fall müssen die Nahtzugaben ausgeglichen werden. Die nachfolgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt wie:

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In unserem Beispiel sieht man einen 2-Naht-Ärmel (Ärmel, der aus zwei Schnittteilen besteht). Bei diesem Schnitt wird besonders deutlich, wo die Problematik bei unterschiedlichen Ecken liegt.


Nahtzugaben ausgleichen
Normalerweise gibt man rund ums Schnittteil gleichmäßig die Nahtzugabe hinzu. So wie in der Skizze dargestellt.


Nahtzugaben ausgleichen
Bei zwei Schnittteilen mit sehr unterschiedlichen Ecken – eins mit einem spitzen Winkel und eins mit einem gestreckten Winkel – passen die Stoffkanten nicht mehr aufeinander. In der Skizze sieht man, wie die Teile beim Nähen aufeinander liegen. Der eine Ärmelteil ist deutlich länger als der andere. Beim Nähen kann das dann zu Verwirrung führen. Daher ist es ratsam bei solchen Teilen die Nahtzugaben entsprechend auszugleichen.


Nahtzugaben ausgleichen
Um die Nahtzugaben auszugleichen, legt man am besten die Papier-Schnittteile so aufeinander wie man später den Stoff zum Nähen aufeinander legen wird und korrigiert die Nahtzugaben entsprechend der Skizze. Beim gestreckten Winkel muss die Strecke der NZ verlängert werden und bei dem spitzen Winkel muss die Nahtzugabe gekürzt werden.


Nahtzugaben ausgleichen
So sollten die Schnitteile mit angepasster Nahtzugabe dann aussehen.


Nahtzugaben ausgleichen
Wenn man die Schnittteile nun auf den Stoff kopiert und dann miteinander vernäht, passt alles.


Nahtzugaben ausgleichen
Nachdem die Nahtzugaben auseinander gebügelt sind, sieht das Stoffteil dann so aus.

 

So, wir hoffen, unsere erste kleine Nähschule war für euch interessant und vielleicht konnten wir euch etwas Neues zeigen. Wenn ihr Fragen habt, benutzt die Kommentarfunktion.

Viele Grüße,
Stefanie und Edith